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Berliner Unternehmen Mercedöl Vorbild für bürgerlichen Einsatz
von Nikolaus Doll

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Berliner Morgenpost vom Dienstag, 04.Juli.2006

Berlin - Es passiert, als sich Matthias Frankenstein kurz frisch machen wollte. Der Unternehmer hatte das Jugendkunst- und Kulturzentrum Schlesische 27 in Kreuzberg besucht und war von dem Programm begeistert. Der Zustand der Sanitäranlagen aber entsetzte ihn. Kurzerhand ließ er Armaturen und Sanitärkeramik in fünf Etagen auf Vordermann bringen. Seinen Einsatz kommentierte der Chef der Mercedöl-Feuerungsbau GmbH nüchtern: "Man kann nicht alles anderen überlassen." Für die Jury, die die "Franz-von-Mendelssohn-Medaille" vergibt, war die Aktion jedoch so außergewöhnlich, dass sie Mercedöl auszeichnete. Matthias und Vater Karlheinz Frankenstein nahmen Montagabend im Mendelssohn-Palais in Mitte die Medaille der Berliner Wirtschaft entgegen.

Es ist das zweite Mal, dass in dem Wettbewerb von IHK, Handwerkskammer und Berliner Morgenpost einem Unternehmen aus der Hauptstadt diese Auszeichnung verliehen wurde. Bei der Suche nach einem Sieger seien "beispielhafter Einsatz, Kreativität und der Aufwand im Vergleich zur Unternehmensgröße ausschlaggebend" gewesen, sagte IHK-Präsident Eric Schweitzer.

Der Alba-Vorstand und IHK-Präsident hatte gemeinsam mit Stephan Schwarz, dem Präsidenten der Handwerkskammer, den mit 10.000 Euro dotierten Preis ausgelobt. "Mercedöl konnte die Juroren mit der umfangreichen Unterstützung für das Kulturzentrum Schlesische 27 überzeugen", so Schweitzer.

Nach Ansicht von HwK-Präsident Schwarz habe der Wettbewerb erneut gezeigt, wie viele Unternehmer der Stadt "sich doch umfangreich und auf ganz unterschiedliche Art und Weise für ihr soziales Umfeld engagieren". "Gerade auch kleinere Firmen sind oft unglaublich aktiv und erfinderisch, wenn es gilt, für andere Gutes zu tun", sagt Schwarz. Guidotto Graf Henckel Fürst von Donnersmarck, Kuratoriumsvorsitzender der gleichnamigen Stiftung, sagte in seiner Laudatio, bürgerliches Engagement sei "neben dem Staat und der Privatwirtschaft zur dritten Säule geworden". Um die "Mendelssohn-Medaille", die an den früheren Berliner IHK-Präsidenten Franz von Mendelssohn (Amtszeit 1914 bis 1931) erinnert, hatten sich diesmal 31 Unternehmen beworben. "Weil es so viele interessante Bewerbungen gab, hatten wir uns entschlossen, einen weiteren Betrieb, wenn auch ohne Preisgeld, auszuzeichnen", sagte Schwarz. Die Wahl fiel auf die Schöneberger Bäckerei Johann Mayer. Geschäftsleiter Karsten Berning, Urenkel von Mayer sagte: "Ich hoffe, dieser Preis ist auch für andere ein Ansporn, sich einzusetzen und sich für sein Umfeld zu engagieren." Berning wurde für das Kinder- und Jugendprojekt in der Backstube sowie für seine "echte Kiezarbeit", unter anderem den Einsatz bei karitativen Einrichtungen geehrt. Soziales Engagement bewies Mercedöl-Chef Matthias Frankenstein auch bei Entgegennahme des Preises: "Wir werden den Preis teilen. Die eine Hälfte geht an das Kulturzentrum Schlesische 27, mit der anderen sollen Ausbildungsplätze in der Stadt geschaffen werden", kündigte der Juniorchef an. Mercedöl ist auf die Planung, Instandsetzung und Modernisierung von Heizungsanlagen spezialisiert und gehört in diesem Bereich zu den führenden mittelständischen Unternehmen in Berlin und Brandenburg. 1998 zog der Betrieb mit derzeit 120 Beschäftigten von Tiergarten nach Pankow. "Als Mittelständler müssen wir jedes Jahr schwarze Zahlen schreiben, sonst sind wir weg vom Fenster. Aber weil uns das immer gelingt, fühlen wir so etwas wie soziale Verantwortung", schildert Frankenstein den Antrieb für das Engagement des Unternehmens.

Der Namensgeber

Franz von Mendelssohn, geboren am 29. Juli 1865 in Berlin-Grunewald, war einer der letzten Bankiers seiner Familie. Er war von 1914 bis 1931 Präsident der Berliner Industrie- und Handelskammer, ab 1921 des Deutschen Industrie- und Handelstages, ab 1931 Präsident der Internationalen Handelskammer.

Medaille die Franz-von-Mendelssohn-Medaille wurde dem Bankier 1931 vom Deutschen Industrie- und Handelstag "als sichtbares Zeichen des Dankes" übergeben. 1931 musste sich Franz von Mendelssohn aus Anraten seiner Ärzte aus allen Ämtern zurückziehen und starb am 16. Juni 1935 in Berlin.